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12. Juli 2011

Ein Mann hängt voll in den Seilen

Baumpfleger Armin Stahr hat einen luftigen und gefährlich anmutenden Arbeitsplatz hoch oben im Geäst der Bäume.

  1. Baumpfleger Armin Stahr bei der Arbeit im Bad Säckinger Schlosspark. Foto: Claudia Leber

BAD SÄCKINGEN. Baum ist nicht gleich Baum. Im Wald führt er meist ein weitgehend unbehelligtes Leben in Gesellschaft von Artgenossen. Innerorts ist er dagegen mit Ansprüchen und Forderungen konfrontiert. Er soll nicht zu viel Dreck machen, die Sicht nicht versperren, nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Schatten spenden und niemandem gefährlich werden. Um diesem Stadtbaumleben gerecht zu werden, sind gewisse Maßnahmen erforderlich. Ausgeführt werden diese von Baumpflegern wie Armin Stahr.

Der Bad Säckinger hat sich vor fünf Jahren selbstständig gemacht und führt Pflegearbeiten rund um den Baum aus. "Das kann im Prinzip jeder lernen, aber vorher schon mal mit der Materie in Kontakt gewesen zu sein, ist sehr von Vorteil", sagt der Florist, der jetzt Bäume begutachtet und beklettert. Dass er Recht hat, beweist sein Mitarbeiter, der vom Lehrer zum Baumkletterer wird.

Der Unternehmer selbst stammt aus einer nordrhein-westfälischen Försterfamilie und hat den grünen Daumen vererbt bekommen. Um den Beruf des Baumpflegers ausüben zu dürfen, musste er eine Weiterbildung absolvieren, die für die Berufsfelder Gartenbau, Forstwirtschaft und Landwirtschaft angeboten wird. Regelmäßige Weiterbildungen gehören für Armin Stahr zum Beruf. "Man muss nicht nur fit sein, sondern auch bei den Vorschriften und Neuerungen auf dem Laufenden bleiben", sagt er. Die Reglementierung, speziell im Bereich der Baumkletterei, ist weitläufig und dient häufig der Sicherheit. So darf nur gearbeitet werden, wenn ein zweiter Baumkletterer vor Ort ist.

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Die Seilklettertechnik darf nur anwenden, wer den zertifizierten Lehrgang SKT-A abgeschlossen hat und sich in der Ersten Hilfe auskennt. Sie kommt dort zum Einsatz, wo Leitern und Hebebühnen nicht verwendet werden können. Also zum Beispiel dann, wenn der Platz nicht ausreicht oder in der Baumkrone gearbeitet werden muss.

Dafür verwendet Armin Stahr eine spezielle Ausrüstung, die auf die Bedürfnisse der seilunterstützten Baumklettertechnik abgestimmt ist. Die muss jedes Jahr geprüft werden und der Kletterer selbst muss jedes zweite Jahr "zum TÜV". Neben der körperlichen Fitness ist aber auch der Geist gefragt. Der Baumkletterer muss sich nicht nur mit Seilen, Knoten und Karabinern auskennen, sondern auch mit biologischen Vorgängen und natürlich den Bäumen selbst vertraut sein. Zu seinen Aufgaben gehört die Entfernung von abgestorbenem Geäst aus Baumkronen, sogenanntem Totholz, das herunterfallen und damit gefährlich werden kann. Äste, die beispielsweise durch Wind und Wetter absturzgefährdet sind, müssen im Rahmen einer Kronensicherung mit stärkeren Ästen durch elastische Seile verknüpft werden.

Bevor allerdings zur Tat geschritten werden kann, muss Armin Stahr den Baum zuerst begutachten. Dazu verfügt er über spezielle schallwellengestützte Diagnosegeräte, mit denen er ohne den Baum ansägen zu müssen feststellen kann, ob sein Inneres fault. Bäumen, die krank sind, zum Beispiel unter Trockenstress, also Wassermangel leiden, kann er durch Düngung helfen. Dazu bringt er mit einem Bohrer oder einem Spaten bestimmte Pilze in den Wurzelbereich ein.

Seine Unternehmensphilosophie ist einfach, aber passend: Die Wahrheit liegt im Baum. Jeder Baum hat eigene Bedürfnisse und ist wichtig, auch im städtischen Bild. Bäume bilden nicht nur einen ökonomischen Wert ab, der sogar in einem Wertkatalog festgelegt ist, sondern stellen auch einen Ort der Erholung dar. Nicht zuletzt sind sie unerlässlich für das Gleichgewicht von Kohlenstoffdioxid und Sauerstoff. Armin Stahr ist es deshalb wichtig, ein Bewusstsein für diesen Wert zu schaffen und Bäume zu erhalten, wenn es möglich ist.

Autor: Claudia Leber


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